Vielleicht kennen Sie noch die Redewendung „Feuer und Flamme sein“. Wir meinen damit Menschen, die von etwas begeistert sind. Feuer und Flamme erfahren die Freunde Jesu am 50. Tag nach dem Osterfest.
Feuer und Flamme erlebte auch die Gemeinde, die den Freunden Jesu bei ihrer Predigt zu-hörten.
Unser heutiges Pfingstfest bedeutet, dass die Jünger Jesu 50 Tage nach dem Osterfest, den Geist Gottes neu erfahren durften. Pfingsten wird zum bedeutendsten 3. Hochfest, das die Kirche nach Ostern und Weihnachten feiert.
Versuchen wir zuerst einmal uns vorzustellen, was die Jünger erlebt haben. Da heißt es in der Apostelgeschichte, im 2. Kapitel:
>> Als das Pfingstfest kam waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte und auf jedem ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und began¬nen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.>> -nach: Gute Nachricht Bibel, Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft 1997
Das heißt also ganz konkret: Die Jünger und Maria, die Mutter Jesu, waren versammelt, als sie die Herabkunft des Geistes erfahren durften – sowie es Jesu ihnen versprochen hatte. Es dau¬erte 50 Tage, dass sie den Geist erfahren durften, nachdem eine Reihe von ihnen resigniert hatte. Sie fühlten sich allein, von Gott verlassen.
Die Apostel hatten enorme Angst vor Verfolgung, sie zogen sich zurück und schlossen sich ein. Was ihnen blieb, war der Zusammenhalt in der Gruppe und das gemeinsame Beten. Irgend¬wann muss zu diesem Beten ein neues Denken, ein neuer Geist gekommen sein. Es war das Denken Jesu, das sie zu seinen Lebzeiten nur ansatzweise verstanden bzw. in die Tat umsetzen konnten. Als der neue Geist Jesu endgültig über sie kam, hatte der alte Geist keine Chance mehr. Solche Geschenke darf man nicht für sich behalten, sie müssen weiter geschenkt werden.
Vielleicht denken Sie jetzt: die Geist-Erfahrung ist gut 2000 Jahre alt. Trotz allem verstehen die Jünger Jesu den Geist Jesu besser als wir heutigen Menschen. Dennoch ist die Gabe des Geistes uns allen zugesagt – und dies vor allem in Situationen, in der unser Glaube brüchig ge¬worden ist. Ein Mensch, dem der Hl. Geist zur Lebenshilfe auch zur Sterbehilfe geworden ist, ist der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Er war Mitglied einer Widerstandsgruppe während des Dritten Reiches. Er hat folgende Fürbitte vor seinem Tod durch den Strang formuliert:
„Hl. Geist, gib mir die Hoffnung, die mich befreit von Furcht und Verzagtheit.“
Sein Tod hat der Nachwelt eindrucksvoll vermittelt, wie ernst ihm eine solche Fürbitte war.
Liebe Mitbewohner und Mitbewohnerinnen
Ich wünsche Ihnen zum Pfingstfest, im Rahmen unserer Möglichkeiten, die Erfahrung des Geistes und gute Menschen in Ihrer Nähe, die Ihnen die Gabe des Hl. Geistes glaubhaft vermitteln können.
Ihr Michael Mark
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